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Stimmung von Tasteninstrumenten
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Die
Einführung von Tasteninstrumenten oder Instrumenten mit mehreren Saiten gab
Probleme auf. Es gilt nämlich, die durch die Naturtöne festgelegten
Intervalle auf die Musikinstrumente zu übertragen. |
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Was
sind Naturtöne, natürliche Intervalle? Wann wurde das entdeckt? Wie stimmt
man ein Instrument? ...... |
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Um die Zusammenhänge zu verstehen, erfahren
Sie hier etwas über natürliche
Intervalle, den Versuche einer Aufteilung
der Oktav, das CENT-System, weiters historisch definierte
Probleme bei der Einordnung in Tonsysteme, sowie Schwebungen und Hörbarkeit
von Tonabweichungen und die historischen
Temperaturen wie Stimmungen genannt
werden mit Stimmtabellen, über den Normstimmton genannt und die Stimmgabel. |
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Natürliche Intervalle |
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Wenn man eine Seite in ganzzahligen Verhältnissen teilt
oder ein Blasinstrument überbläst, ertönt eine Reihe von Tönen.
Diese Töne nennt man Naturtöne, Aliquottöne oder Partialtöne. Außerdem
klingen diese Töne bei sogenannten harmonischen Formanten
beim Erklingen eines Grundtones als Obertöne
mit, da deren Schwingungen nie rein sind, sondern sich an Zwischenknoten
Schwingungen ganzzahliger Frequenzverhältnisse
bilden. |
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Diese Tonreihe und die darin enthaltenen Intervalle sind
die Basis für unser heutiges Tonsystem. Aber der Weg durch die Jahrhunderte
ist gekennzeichnet durch viele Zwischenschritte und Entwicklungsstufen. |
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Wenn man diese Töne in dieselbe Oktave transponiert, was
man durch Division der Frequenzen durch 2 erreicht, erhält man Proportionen
für die natürlichen
Intervalle innerhalb einer Oktave. |
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Versuch einer natürlichen Tonreihe |
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Wenn man die oben ermittelten natürlichen Intervalle in
eine Oktave einträgt, so erhält man zunächst eine Tonreihe bestehend aus c,
d, e, f, g, a, h und c', die diatonische Tonleiter,
durch weitere Terzen und Quarten die restlichen Töne cis, es, fis, gis und b,
die chromatische Tonleiter. Man
erhält damit den Versuch
einer natürlichen Tonreihe und erfährt dabei,
daß es dabei zahlreihe, unüberwindliche Schwierigkeiten gibt: |
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Mit
diesen Tönen könnte man C-Dur und A-moll auf einem Tasteninstrument spielen
mit folgenden Problemen: |
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Es
wären zusätzliche schwarze Tasten erforderlich, da sich die b- und
#-Herleitungen unterscheiden, die enharmonische Verwechslung wäre nicht
möglich. In der Tat wurden solche Instrumente konstruiert, z. B. das Deutsche
Museum in München beherbergt ein solches. |
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Die
obige Herleitung ist nicht zwingend. Sie würde anders aussehen, wenn wir
Quarten statt Terzen verwenden würden. |
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Die
Quint von d nach a beträgt nicht 3/2 (702 CENT) sondern 40/27 (680 CENT).
Auch andere Mißstimmigkeiten lassen sich finden. |
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Das
CENT-System |
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ist eine System, mit dem man sich den Umgang mit
Frequenzen und Intervallen erleichtert. Intervalle sind Verhältniszahlen von
Frequenzen. Frequenzunterschiede gleicher Intervalle in verschiedenen Lagen
sind die daher unterschiedlich, man immer aufwendig multiplizieren und erhält
große Zahlen. Ein Beispiel: |
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Dieser Umstand ist nicht sehr angenehm. Hilfe schafft
logarithmische Betrachtung. Das CENT-System hat der Engländer John ELLIS ca.
1870 vorgeschlagen und es wird heute noch verwendet: |
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Diese Werte kann man einfach addieren und subtrahieren,
wenn man Intervalle zusammensetzen will. Intervalle haben in allen Lagen die
gleiche Größe. |
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Historisch definierte Probleme bei der Einordnung
in Tonsysteme |
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Aus den oben angeführten Tabellen sieht man, daß es
Probleme gibt bei der Zuordnung der Naturtonreihen zu Tonsystemen. Beginnend
in der Antike hat man diese Probleme erkannt und für wichtige Probleme eigene
Begriffe geschaffen. |
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Das pythagoräische Komma: 12
reine Quinten übereinander geschlagen erreichen einen Ton, der vom Grundton
einen Abstand eines etwa eines 1/4 Tones hat: (3/2)^12
: 2^7 = 129,746 : 128, das entspricht 23,460 CENT |
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Die pythagoräische Terz und das syntonische oder
didymische Komma: 4 reine Quinten (3/2)
übereinander geschlagen erreichen eine Terz, die pythagoräische Terz, die
etwa einen 1/4 Ton größer ist als die reine Terz: die
pythagoräische Terz: (3/2)^4 : 2^2 = 81/64, das syntonische oder didymische
Komma: 81/64 : 5/4 = 81/80, das entspricht 21,506 CENT. |
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Die kleine Diësis: 3
große Terzen (5/4) übereinander geschlagen ergeben keine reine Octave (2/1),
sondern ein Intervall um etwa einen Halbton tiefer: 2 :
(5/4)^3 = 128/125, das entspricht 41,058 CENT |
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Die große Diësis: 4
kleine Terzen (6/5) übereinander geschlagen ergeben keine reine Octav (2/1),
sondern ein Intervall um etwa einen Halbton höher: (6/5)^4
: 2 = 648/625, das entspricht 62,565 CENT |
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Das Schisma: Die
Differenz zwischen dem pythagoräischem Komma (23,460 CENT) und dem
syntonischen Komma (21,506 CENT) nennt man Schisma (1,954
CENT) |
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Schwebungen |
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Wenn man zwei Frequenzen mit geringfügig
unterschiedlicher Frequenz überlagert, so erhält man eine pulsierende
Schwingung, eine sogenannte Schwebung. Dabei ist die Frequenz der Schwebung
gleich dem Unterschied der Frequenzen. Ein Beispiel: 440 Hz und 441 Hz
überlagert ergeben eine Schwebung von 1 Hz. Das kann man übrigens mit
Mittelschulkenntnissen herleiten. Mehr dazu siehe hier. |
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Dieser
Effekt der pulsierenden Schwebung wird mannigfaltig genützt: |
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beim
Stimmen: Wie wir oben gelernt haben, schwingen bei jedem Ton die reinen
Intervalle als sogenannte Obertöne mit. Wenn man also ein beliebiges
Intervall anschlägt, bilden sich auch Schwebungen zu nahen reinen Obertönen
des Grundtones. Diesen Effekt nutzt man beim Stimmen von Instrumenten. Reines
Intervall bedeutet: es ist keine Schwebung zu hören, unreines Intervall: Sie
hören eine Schwebung in der Frequenz der Unreinheit. Sie können mit der Zahl
der Schwebungen auch die von den Temperatursystemen geforderten Unreinheiten
einstellen. |
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für
Baßtöne: Tiefe Baßregister mit 32' hätten eine längste Pfeife von etwa 10 m.
Um diese Länge zu vermeiden, baute man 2 Register, ein 16' Register (max.
Pfeifenlänge 4,80 m), ein Register um 1 Quint (3/2) höher gestimmt.
Schwingungen 1 und 3/2 überlagert geben eine Schwebung 1/2, also der halben
Frequenz des 16' Registers, was man erreichen wollte. |
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für
sog. Kombinationstöne: Bei rein gestimmten Terzen entstehen sogenannte
Kombinationstöne. Hält man z. B. c" und e" gleichzeitig, so erhält
man als Kombinationston c°. Diese Kombinationstöne geben dem Klang sehr viel
Kraft und Fülle. |
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Hörbarkeit von Tonabweichungen |
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Was bedeuten Tonhöhenabweichungen dem Gehör? |
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Die
Unterscheidungsschwelle eines Einzeltones wird mit 3 Promill der Frequenz
angegeben, das entspricht einem Faktor von 1,003 oder 5,2 CENT. |
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Um eine
Quint (702 CENT) als solche zu erkennen, muß man die Nachbarintervalle z. B.
die kleine Sext (814 CENT) gegenüberstellen. Der Bereich "Quinterkennung"
erstreckt sich etwa über den Bereich 657 - 702 - 746 CENT. |
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Die
Großterz (386 CENT) wird von Kleinterz (316 CENT) und Quart (498 CENT)
benachbart. Der Bereich "Großterzerkennung" erstreckt sich
etwa über den Bereich 360 - 386 - 425 CENT. Als Begrenzung für die
Akzeptanz gilt dabei oft die pythagoräische Terz, die schon immer in
der Musikgeschichte als geschärft, aber brauchbar galt. Sie ist mit 22
CENT um 8 Cent unreiner als die gleichschwebende Terz, welche
um 14 CENT von der reinen Terz abweicht. |
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Schwebungen mit Obertönen von zwei
gleichzeitig klingenden Intervalltönen sind allerdings bei kleinen
Abweichungen vom reinen Intervall sehr stark zu hören. |
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Schwebungen
bei verstimmten Oktaven sind stärker wahrzunehmen, als bei
verstimmten Quinten und wieder schwächer bei verstimmten Terzen, da
die mitklingenden höheren Obertöne mit geringeren Amplituden schwingen. |
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Historische Temperaturen |
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Die
pythagoräischen Stimmungen (Stimmtabelle) |
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Seit ca. 850 (den frühesten Aufzeichnungen über
Mehrstimmigkeit) bis ca. 1550, als die mitteltönigen Temperaturen enstanden,
wurden die Tasteninstrumente meist pythagoräisch gestimmt. Da unser Tonsystem
erst im Entstehen war, gab es zunächst nur sieben Töne. Erst später kamen die
restlichen Halbtöne hinzu. (Die sieben Töne entsprechen den weißen Tasten auf
dem Klavier zuzüglich dem Ton B, der alternativ zu H benutzt wurde.) |
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Alle Töne werden durch das Stimmen in reinen Quinten
und Quarten ermittelt. Wenn in dieser Weise gestimmt wird, ergeben sich
neben wenigen quasi reinen großen Terzen hauptsächlich sog.
pythagoräische Terzen, die 22 Cent unrein sind. Dieser Umstand war aber
unbedeutend. Die aus reinen Quinten konstruierte Penta- und Heptatonik war
fest im pythagoräischen System verankert. Die pythagoräische Terz war kein
Problem, da die große Terz bei der einstimmigen Musik oder auch bei
zweistimmiger im Quint und Quartabstand bis zum 15. Jahrhundert keine
Bedeutung hatte. |
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Erst mit Aufkommen der Mehrstimmigkeit und der
Einbindung der fehlenden Halbtöne ins diatonische System (Chromatik), wurde
auch die große Terz als Intervall interessant. Bis sich die mitteltönige
Temperatur durchgesetzt hatte, versuchte man das Problem der unreinen Terzen
durch verschiedene Varianten von "reinen Stimmungen" zu beheben.
Diese konnten jedoch zu keinem allgemein befriedigendem Ergebnis führen. |
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Die mitteltönigen
Temperaturen (Stimmtabelle) |
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In der Zeit von ca. 1550-1750 waren bei
Tasteninstrumenten mitteltönige Temperaturen üblich. Ihr Charakteristikum
sind acht etwa gleich gute und vier schlechte Moll- bzw. Durtonarten.
Eine der schlechten Tonarten beinhaltet eine musikalisch unbrauchbare, sehr
stark verstimmte Quinte, die sogenannte Wolfsquinte. Sie ist ein
Charakteristikum dieser Temperaturen. |
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Die mitteltönigen Temperaturen haben sich, besonders bei
der Orgel, z.T. bis ins 19. Jahrhundert gehalten. Ihr großer Vorteil sind die
acht reinen oder fast reinen Terzen, die den Klang sehr festlich gestalten
und ihm, besonders in Verbindung mit Terz- und Zungenregistern, viel Kraft
und Glanz verleihen. Daß die Quinten etwa dreimal so schnell schweben wie bei
der gleichstufigen Temperatur, ist zwar ein gewisser Nachteil, der aber durch
die dominante, reine oder fast reine Terz ausgeglichen wird. |
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Ein weiteres Merkmal der mitteltönigen Temperaturen sind
die unterschiedlich großen Halbtonabstände. Sie geben der Chromatik
("Färbung") einen besonderen Reiz. |
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Bei diesen Temperaturen ist keine enharmonische
Verwechslung möglich, weshalb es Versuche gegeben hat, dopplelte Obertasten
einzubauen. Beim Zusammenspiel mit anderen Instrumenten wird deshalb der Modulationsspielraum
auf die sechzehn guten Tonarten beschränkt. |
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Es hat sich eingebürgert, bei Tasteninstrumenten mit
Saiten die Wolfsquinte (gis-es) umzustimmen (as-es), teilweise auch während
des Konzertes. Dadurch verschob sich die Wolfsquinte (cis-as) und andere
Tonarten wurden spielbar. |
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Diese Umstände waren für die Komponisten des beginnenden
18. Jahrhunderts untragbar, so daß sie auf eine Änderung der Temperierung von
Tasteninstrumenten drängten, die durch die "wohtemperierten
Stimmungen" ihre Entsprechung fand. |
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Von ca. 1700-1870 waren sogenannte "wohltemperierte
Stimmungen" weit verbreitet. Auch das "Wohltemperierte
Klavier" von Bach rechnet mit einer dieser Temperaturen und nicht mit
der gleichschwebenden Temperatur. Beim "Wohltemperieren" geht es
darum, unser Tonsystem "wohl zu ordnen", zu temperieren. Ziel
ist dabei immer, alle Tonarten spielen zu können. |
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Die Tonarten mit wenigen Vorzeichen um C-Dur haben dabei
möglichst reine Terzen, jedoch in den Kreuztonarten schneller schwebende
Quinten als bei der gleichstufigen Temperatur. Die Tonarten mit vielen
Vorzeichen um Fis-Dur haben geschärfte Terzen, dafür aber wie die B-Tonarten
meist reine oder langsam schwebende Quinten. Bei dieser Ordnung unseres
Tonsystems entsteht eine Klangfarbenabstufung der Tonarten. Diejenigen mit
wenigen Vorzeichen klingen dabei entspannt und haben einen klaren,
kraftvollen, nach vorne strebenden Klangcharakter, während die Tonarten mit
vielen Vorzeichen geschärft bzw. gespannt klingen und einen
"schmutzigen", verhaltenen Klangcharakter besitzen. Als Begrenzung
für die Akzeptanz gilt dabei oft die pythagoräische Terz, die schon immer in
der Musikgeschichte als geschärft, aber brauchbar galt. Sie ist mit 22 Cent
um 8 Cent unreiner als die gleichstufige Terz, welche um 14 Cent von der
reinen Terz abweicht. |
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Bei wohltemperierten Stimmungen entsteht eine Tonartencharakteristik.
Jede Tonart bekommt eine andere Färbung, mit der die Komponisten des 18. und
beginnenden 19. Jahrhunderts fest rechneten und ihre Kompositionen auch
dementsprechend anlegten. Dieses Charakteristikum wirkt sich gleichzeitig
aber negativ auf die Musik des späten 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts
aus. Modulationen erzeugen gleichzeitig auch einen Wechsel in der Klangfarbe,
den die Komponisten, deren Musik auf Homogenität angelegt ist, sicher nicht
wünschen. Bei "gemäßigten" Temperaturen, ist dieser Nachteil nicht
so ausgeprägt, denn ihr Farbenreichtum in der Tonartencharakteristik ist
nicht so groß. |
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Welche Stimmung Bach verwendete, ist nicht gesichert. Es
gibt eine große Zahl von wissenschaftlichen Untersuchungen darüber. In dieser
Zeit gab es rege Diskussionen über diese Thematik. Bach selbst war bekannt
dafür, daß er der Mathematik sehr verbunden war und daß er seine
Musikinstrumente selbst in kurzer Zeit zu stimmen pflegte, beides
Anhaltspunkte, die ein Interesse an dieser Thematik vermuten lassen. |
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Die
gleichschwebende Temperatur (Stimmtabelle) |
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Seit Ende des 19. Jahrhunderts ist uns die
gleichschwebende Temperatur, besser gleichstufig genannt, vertraut, denn die
meisten "modernen" Instrumente werden in dieser Weise gestimmt. Das
pythagoräische Komma wird dabei auf alle Quinten in gleicher Weise verteilt.
Daher sind alle Intervalle außer der Oktave verstimmt. Besonders bei einer
Orgel, mit ihren vielen Obertönen, entsteht dadurch bei allen Tonarten ein
unharmonisches Klanggefüge, denn die reinen Obertöne der Pfeifen oder der
Aliquotregister decken sich nicht mit den temperierten (verstimmten)
Intervallen. Der Nachteil, daß alle Tonarten gleich und kraftlos klingen,
wird nur bei Leuten ausgeglichen, die ein absolutes Gehör haben und durch die
Tonhöhe Unterschiede in den Tonarten empfinden. |
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Über den Normstimmton |
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Die Einstimmung des Musizierens schwankte: 370 bis etwa
567 Hz als oberster Bereich, was einer Spanne von einer Sext entsprach, also
etwa von fis1 bis d2. Unsere jetzige Stimmhöhe von 440 Hz würde demnach in
der Mitte liegen. Schon bei den Griechen gab es einen Ausgangspunkt für ihr
Tonsystem, der etwa unserem a1 gleichkam. Blieb der Gesang immer so ziemlich
auf gleicher Höhenstufe, so läßt sich bei den Instrumenten durch die
Jahrhunderte hindurch ein sehr sprunghaftes Bild feststellen. Das gilt
besonders für die Orgel, die im frühen Barock eine sehr hohe Stimmung aufwies
(zur Zeit von Praetorius und Schütz 490 Hz = einen ganzen Ton höher als unser
genormtes a1). |
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Nach einer längeren Periode dieser hohen Orgelstimmung
vollzieht sich im 18. Jahrhundert in Deutschland ein bemerkenswertes Absinken
des Stimmtones. Wir müssen uns vorstellen, daß um diese Zeit die Musiken in
den Kirchen Leipzigs und am Hofe von Potsdam in viel tieferen Lagen erklangen
als heute, und zwar einen halben Ton tiefer (410-420 Hz). Das ging wesentlich
von Frankreich aus. Die tiefer gestimmten französischen Holzblasinstrumente
(Oboen, Flöten, Fagotte), die damals in Mode kamen, waren sehr begehrt. Eine
tiefere Stimmung erfahren wir aus den Schriften von Mersenne (1646) und
Sauveur (1713). Auch Dom Bedos, der Orgeltheoretiker, und Pascal Taskin, der
Cembalobauer am französischen Hof, stimmten tiefer ein, wie auch Andreas
Silbermann bei seinen Orgeln im Elsaß. |
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In Deutschland vollzog sich die Umstellung zur tiefen
Stimmung gleich nach 1700. Der Thomaskantor in Leipzig Johann Kuhnau, der
Amtsvorgänger von Johann Sebastian Bach, schrieb 1717 an Mattheson, daß er
gleich nach seinem Antritt 1702 den "Kammerton eine Secunda oder kleine
Tertia tiefer klingend" einführte. Die Orgeln Gottfried Silbermanns (des
jüngeren Bruders von Andreas) in Freiberg und in Dresden erklangen in
tieferer Stimmung (415 bzw. 420 Schw.). Auch Arp Schnitger benutzte in
Berlin-Charlottenburg (1706) in der Orgel der Eosanderkapelle nur 411 Schw.
So wurden auch Bachs Passionen sowie Mozarts und Händels Musiken aufgeführt.
Es ist anzunehmen, daß die tiefe Stimmhöhe bis in die Beethoven-Zeit
maßgebend war. |
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Das 19. Jahrhundert brachte eine Wendung ins Gegenteil
ausgehend von Instrumentalgruppen. Schon nach wenigen Jahrzehnten musizierte
man in Berlin, Paris und London in ungewohnten Stimmlagen, in Wien hoch wie
nie zuvor (Wiener hohe Stimmung 456 Hz). Das allgemeine Hochtreiben war den
Chorleitern und den Sängern durchaus nicht angenehm. Dazu kam noch der
Umstand, daß die verlangte Stimmhöhe überall verschieden war. Der Akustiker
Johann Heinrich Scheibler konnte auf seiner Reise durch Deutschland kaum
Städte vorfinden, die seiner Vorstellung von einer "normalen"
Stimmhöhe von 440 Schwingungen entsprachen. |
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Die Stimmgabel |
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Als Erfinder wird Händels Freund John SHORE genannt
(1711), professioneller Musiker, als Lautenist und Trompeter in der
Hofkapelle Georgs I. angestellt. Shore ließ sich die erste Stimmgabel
anfertigen, um seine Laute besser einstimmen zu können. Er lebte bis 1753. |
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Hundert Jahre nach ihrer Erfindung war es gerade die
Stimmgabel, die den eigentlichen Anstoß zur Fixierung des Stimmtones gegeben
hat. Die anderen Werkzeuge, das aufwendige Monochord, ein System von
schwingenden Metallzungen, auch nicht die Sirene waren für diese nicht
Aufgabe so geeignet wie die Stimmgabel, die kaum Temperaturveränderungen
unterworfen ist. Stimmgabeln werden aus Invar-Stahl (= invariabel), aber auch
aus gewöhnlichem Stahl gefertigt. Sie lassen sich leicht justieren. Durch
Abfeilen der Zinken an ihren Stirnenden wird der Ton höher und beim Feilen
unten an der Verbindungsstelle tiefer. Den an sich schwachen Ton kann man
durch passende Resonatoren in Form von an einem Ende offenen Holzkästchen
verstärken. Zwei Gelehrte erwarben sich hierbei unumstrittene Verdienste. |
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Heinrich SCHEIBLER (1777-1837), ein Tuchfabrikant in
Krefeld, schrieb über und experimentierte mit Stimmgabeln. Er konstruierte
ein Tonometer mit 52 Stimmgabeln, bei denen zwei aufeinanderfolgende Töne
jeweils vier Schwingungen in der Sekunde hören ließen. 1834 trat Scheibler in
Stuttgart erstmalig in der Musikgeschichte auf einer Versammlung von
Naturforschern mit dem Vorschlag hervor, einen Normstimmton mit 440
Schwingungen festzulegen. Maßgebend für ihn war der Mittelwert der
Stimmhöhen, die er auf seinen Fahrten durch Deutschland feststellen konnte.
Außerdem ist diese Zahl bequem teilbar. Sein Vorschlag fand zwar Gehör, kam
aber nicht zur Durchführung. Auch Paris 1836 vermochte er nichts
auszurichten. Er starb 1837. |
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Erst 25 Jahre später setzte eine lokale Konferenz in
Paris (1859) den Normstimmton für Frankreich fest. Der "diapason
normal" sah 870 Schwingungen in der Sekunde bei 15° Celsius vor. Die
Festlegung erfolgte auf Grund der Sirenenversuche des Orgelbauers
Cavaillé-Coll (geb. 1811). |
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Der Engländer Alexander John ELLIS (1814-1390) in London
hat die Ideen Scheiblers aufgegriffen. Er war von Hause aus Jurist, wandte
sich aber mit 29 Jahren der Phonetik zu. Wo er nur Stimmgabeln auftreiben konnte,
erwarb er sie, fertigte Kopien an und sammelte Daten über Stimmhöhen von
Orgeln in ganz Europa von Madrid bis St. Petersburg, etwa 320 Posten aus
verschiedenen Zeiten und Ländern beginnend 1361 bis in seine eigene
Lebenszeit. Wir finden hier Angaben über Stimmgabeln von Georg Friedrich
Händel (um 1751), von dem Klavierbauer Johann Andreas Stein (um 1780,
Mozartzeit), vom Hofstimmer Ludwigs des XVI., Pascal Taskin (1783), vom
Dresdner Opernorchester aus der Zeit Karl Maria von Weber (um 1820), mehrere
Gabeln aus früher Zeit von John Shore (vor 1750), auch ein Tonometer mit 56
Gabeln von Scheibler. Die Firma Broadwood & Sons in London mit ihrem
Stimmer Alfred J. Hopkins unterstützte ihn. Dort erfolgte auch 1844/46 die
Einführung der gleichschwebenden Temperatur. Ellis übersetzte 1877/79
"Die Lehre von den Tonempfindungen" von H. von Helmholtz (1862).
Gleichzeitig legte Ellis das noch jetzt verwendete CENT-Rechensystem vor. Er
starb 1890. |
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1885 erfolgte in Wien eine Konferenz über die Festlegung
des Kammertones auf internationaler Basis. Es wurde noch einmal eine
Stimmhöhe von 435 Hz festgelegt, jedoch wiederum bei 15° Celsius. Unser
jetziger Normstimmton von 440 Hz bei nunmehr 20° Celsius fußt auf den beiden
Londoner Konferenzen 1939 und, durch den Krieg unterbrochen, 1953. |
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Diese offizielle Stimmhöhe wird allerdings bei
Konzertveranstaltungen häufig überschritten, was sich als notwendig erweist,
weil die Holzbläser, beeinflußt durch die Temperaturunterschiede, mit einem
Hochgehen der Stimmung ihrer Instrumente zu rechnen haben (zuweilen bis zu 8
Schwingungen). Die Pariser Akademie verblieb bei einem tieferen Kammerton von
870 Schw. = 435 Hz. |
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QUELLEN: |
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Herbert Anton Kellner: Wie
stimme ich selbst mein Cembalo, Verlag Das Musikinstrument, Frankfurt/Main,
1979 |
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Hans-Joachim Schugk: Praxis
barocker Stimmungen und ihre theoretischen Grundlagen, Selbstverlag Rolf
Drescher, Berlin 1980 |
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Friedrich Ernst: Über das
Stimmen von Cembalo, Spinett, Clavichord und Klavier, Verlag das
Musikinstrument, Frankfurt am Main, 1971 |
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WEB-Site von Reiner Jank: http://members.aol.com/ReinerJank/tempe-te.htm (siehe auch LINKS) |
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Balint Dobozi:
Clavier-Stimmung bei Bach, Proseminar Universität Zürich, http://www.fres.ch/bd/content/music/bach.html |
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