Dr. Martin Pfleiderer
Musikalische Akustik WS 2001/02
Schwingungen
Inhalt:
1. Periodische Schwingungen
2. Graphische Darstellung einer
Schwingung
3. Mathematische Darstellung und Bestimmungsgrößen
einer harmonischen Schwingung
4. Überlagerungen von
harmonischen Schwingungen:
4.1. Überlagerung von
Schwingungen mit gleicher Frequenz
4.2. Überlagerung von
Schwingungen mit unterschiedlicher Frequenz
5. Zerlegung von periodischen
Schwingungen (Fourier-Analyse)
6. Gedämpfte Schwingungen
7. Erzwungene Schwingungen: Resonanz
8. Selbststeuernde Schwingungen
9. Schwingende Systeme (Oszillatoren)
als Schallquellen
9.1. Schwingende Saiten
9.2. Schwingende Membrane
9.3. Schwingende Stäbe und
Platten
9.4. Schwingende Luftsäulen
Literatur:
Hans Borucki: Einführung in die Akustik, 3. Aufl.,
Mannheim, Wien, Zürich 1989.
Donald E. Hall: Musikalische
Akustik. Ein Handbuch, Mainz 1997.
Juan G.Roederer:
Physikalische und psychoakustische Grundlagen der Musik, 3.
Aufl. Berlin/Heidelberg 1995.
1. Periodische Schwingungen
Ursache einer jeden Schallempfindung ist eine mechanische Schwingungen. Eine mechanische Schwingung stellt eine ständige Umwandlung von Bewegung (kinetischer Energie) in Lageenergie (potentielle Energie) und umgekehrt dar. Sie kommt durch die Einwirkung einer Rückstellkraft auf einen sich bewegenden Körper zustande, die stets zur Ruhelage des Körpers gerichtet ist.
Ein
Vorgang in einem physikalischen System, bei dem eine oder mehrere
physikalische Größen in der Art ab- und zunehmen, dass sie
nach einem bestimmten Zeitabschnitte wieder den gleichen Wert
annehmen, wird Schwingung genannt. Eine Schwingung entsteht
dann, wenn bei der Störung des Gleichgewichtszustandes eines
Systems Rückstellkräfte wirksam werden, die auf die
Wiederherstellung des Gleichgewichtszustandes gerichtet sind.
Wenn
die Größenänderung innerhalb der bestimmten
Zeitabschnitte in gleicher Weise verläuft, spricht man von einer
periodischen Schwingung.
Meist wirkt zu Beginn der periodischen Bewegung oder Schwingung ein Kraftimpuls (Bsp. Schlag des Hammers auf eine Klaviersaite); die Bewegung kommt dann allmählich aufgrund von Reibungsverlusten (Wärme) zur Ruhe. Oder es wird kontinuierlich Energie zugeführt (Bsp. Streichen einer Geigensaite).
Exkurs
Physik:
Arbeit (W) im physikalischen Sinne wird dann
verrichtet, wenn eine Kraft (F) über eine bestimmte Strecke (s)
wirkt:
![]()
Ein
Körper besitzt Energie, wenn an ihm Arbeit verrichtet wurde;
Energie ist gespeicherte Arbeit oder aber potentielle Arbeit, die der
Körper in Zukunft verrichten kann. Arbeit und Energie werden in
derselben Einheit (Joule) gemessen.
Energie kann von einem Körper
auf einen anderen Körper übertragen werden und außerdem
ihre Erscheinungsform ändern, z.B.:
- Bewegung (kinetische
Energie)
- Wärme
- Lageenergie (potentielle Energie)
Es
gilt jedoch das fundamentale Naturgesetz der Energieerhaltung: Es
kann keine Energie verloren gehen. Innerhalb eines Systems ändert
sich die niemals die Gesamtsumme der vorhandenen Energie.
Uns interessieren hier ausschließlich Schwingungen, die auf einer periodischen Bewegung der schwingenden Körper (z. B. Saiten, Luftteilchen) beruhen.
Beispiele (vgl. Borucki, 13-19): Die Bewegung eines Fadenpendels lässt sich mit den Begriffen potentielle Energie (Lageenergie) und kinetische Energie (Bewegungsenergie) beschreiben.
NB: Auch Schallwellen kann man als eine Folge von Schwingungen der einzelnen Luftteilchen verstehen. Die Besonderheit von Wellen besteht darin, dass sich die Schwingungen über einen bestimmte Strecke, Fläche oder im Raum ausbreiten: die Schwingungen pflanzen sich im Trägermedium (Luft) fort.
2.
Graphische Darstellung einer Schwingung
Bewegung
ist Lageänderung in der Zeit. Periodische Bewegungen kann man
auf zwei Arten mathematisch darstellen:
1. geometrisch
vermittels einer graphischen Darstellung.
Bei der graphischen
Aufzeichnung einer eindimensionalen Bewegung wählt man ein
Koordinatensystem, bei dem auf der x-Achse der jeweilige Zeitpunkt t
aufgetragen wird und auf der y-Achse der jeweilige Abstand zur
Ruhelage (Elongation).
2. analytisch durch eine Funktionsgleichung der Form y = f (t) (vgl. nächster Abschnitt).
(Borucki Abb. 8 und Roederer Abb. 2.3.)
Möglichkeiten
der graphischen Aufzeichnung einer Schwingung:
1. Kurvenschreiber:
Wenn man an einem Pendel einen Stift befestigt und die Pendelbewegung
auf einem senkrecht zur Schwingungsrichtung mit konstanter
Geschwindigkeit durchlaufenden Papierstreifen aufzeichnet, so erhält
man eine graphische Darstellung der Schwingung, nämlich der
Auslenkung der Schwingung (y-Achse) als Funktion der Zeit (x-Achse).
Diese Aufzeichnungsmethode eignet sich jedoch nicht zur Aufzeichnung
akustischer Schwingungen, da diese sehr kurze Perioden haben.
2.
Oszillograph: elektronische Sichtbarmachung einer Schwingung auf
einem Bildschirm (vgl. Praktikum Akustik). Um einen periodischen
Vorgang auf dem Bildschirm festzuhalten, muss die Horizontalbewegung
mit der Periodendauer synchronisiert sein.
Bestimmungsgrößen
einer Schwingung:
1. Elongation y: Der Abstand des
schwingenden Körpers von der Ruhelage zu einem beliebigen
Zeitpunkt der Schwingung. Man spricht bei den verschiedenen
Elongationswerten einer periodischen auch von den verschieden Phasen
der Schwingung.
2. Das Zeitintervall, in dem sich das
Bewegungsmuster wiederholt wird Schwingungsdauer oder Periodendauer
(
)
genannt: Eine Periode ist die kürzeste Zeit, die bei einer
vollständigen Schwingung verstreicht, ehe wieder ein identischer
Schwingungszustand erreicht ist.
3. Amplitude (A): Die
maximale Elongation einer Schwingung. Von der Amplitude einer
Schwingung ist deren Lautstärkeeindruck abhängig.
4.
Frequenz (f): Die Anzahl der vollständigen Schwingungen
pro Zeiteinheit. Von der Frequenz einer Schwingung ist der
Tonhöheneindruck abhängig.
1 Hz (Hertz) =
![]()
3. Mathematische Darstellung einer einfachen harmonischen Schwingung
Welches
Bewegungsmuster ist nun die einfachste Schwingungsform?
Eine
mechanische Schwingung (EHS), z.B. das Bewegungsmuster eines
schwingenden Federpendels oder Fadenpendels, entspricht sehr genau
dieser einfachsten Schwingungsform, der sog. einfachen harmonischen
Schwingung.
(Eine harmonische Schwingung entsteht immer dann,
wenn bei einem schwingenden Gebilde die Rückstellkraft immer zur
Ruhelage gerichtet ist und dabei der Größe der momentanen
Auslenkung proportional ist.)
Wir wollen nun die Elongation einer harmonischen Schwingung als mathematische Funktion darstellen. Die Elongation y ist eine Funktion der Zeit; d.h. zu jedem Zeitpunkt nimmt y einen anderen Wert an:
y = f (t)
Eine harmonische Schwingung lässt sich mathematisch durch die Projektion einer gleichförmigen Kreisbewegung auf den Kreisdurchmesser oder als eine Sinus-Funktion darstellen. Deshalb spricht man bei einer harmonischen Schwingung auch von einer sinusförmigen Bewegung oder Sinusschwingung.
Exkurs:
Trigonometrie und Kreisfunktionen
1. In einem rechtwinkligen
Dreieck unterscheidet man zwischen der Hypothenuse c (= lange Seite)
und den beiden Katheden a, b (= kurze Seiten) im Dreieck.
2. Der
Sinus eines Winkels ist die Gegenkathede geteilt durch
Hypothenuse. Der Cosinus ist Ankathede geteilt durch
Hypothenuse.
3. Zur mathematischen Darstellung der Winkel
verwendet man in der Mathematik oftmals keine Darstellung in Grad,
sondern das sog. Bogenmaß: Das Bogenmaß ist die
Länge der Kreislinie eines Einheitskreises (mit dem Radius r =
1), die einem bestimmten Winkel am Kreismittelpunkt entspricht. Da
der Gesamtumfang
ergibt
sich z.B. für 360° ein Bogenmaß von
.
(Tabelle
zur Umrechnung Grad in Bogenmaß).
3. Die Kreisfunktion
ist festgelegt als:
,
wobei man wieder von einem Einheitskreis (Radius r = 1) ausgeht.
[Beispiel Fahrradfahrer, vgl. Borucki Abb. 9-12]
Die
Periodendauer
ist die Zeit eines gesamten Kreisdurchlaufes. Die Größe
/
ist
ein Maß für die Geschwindigkeit, mit der ein Punkt im
Kreis umläuft. Sie heißt Winkelgeschwindigkeit oder
Kreisfrequenz (ein Kreisumlauf pro Periodendauer bzw. Anzahl
der Kreisumläufe pro Sekunde) und wird mit
(„omega“)
bezeichnet.
D
folg:![]()
Die
Kreisfrequenz
einer harmonischen Schwingung ist als das
-fache
ihrer Frequenz f. Kreisfrequenz und Frequenz sind also verschiedene
Darstellungsformen des selben Sachverhaltes.
Da
bei einer Schwingung die Periodendauer
ekunden dauert, wird in einer bestimmten Zeit t einen
bestimmten Winkel
durchlaufen:
![]()
Schwingungen
mit der selben Amplitude und der selben Frequenz können sich
dennoch aufgrund ihrer Phasenwinkel
bzw.
,
die sie zum selben Zeitpunkt besitzen, unterscheiden. Diese
Eigenschaft wird Phase genannt. Der Unterschied zwischen
und
wird
als Phasendifferenz (Phasenverschiebung)
zweier Schwingungen bezeichnet.
[Roederer Abb. 2.4 und 2.5]
ist
ein zum Zeitpunkt 0 eventuell bereits vorhandener Phasenwinkel, der
Nullphasenwinkel bzw. Phasenkonstante)
Bei einer harmonischen Schwingung lässt sich demnach die Elongation y zu einem beliebigen Zeitpunkt t mit folgender Funktionsgleichung (Schwingungsgleichung) bestimmen:
oder
![]()
y
= jeweilige Elongation
A = Amplitude der Schwingung (beim
Einheitskreis gilt A = r = 1)
= Kreisfrequenz
= Nullphasenwinkel / Phasenkonstante
Aufgabe:
Gegeben ist die Funktionsgleichung einer Sinusschwingung:
![]()
4. Überlagerung von harmonischen Schwingungen
Die
harmonische Schwingung ist ein seltener Spezialfall, denn meistens
schwingt ein Körper in mehreren Schwingungsbewegungen
gleichzeitig. Die Teilschwingungen überlagern sich zu einer
komplizierten Gesamtbewegung.
Bei der Überlagerung von
Schwingungen lassen sich mehrere Fälle unterscheiden, die wir
uns zunächst jeweils graphisch veranschaulichen und sodann
mathematisch exakt bestimmen wollen:
4.1. Die beiden Schwingungen besitzen die gleiche Frequenz
(1)
Zwei harmonische Schwingungen mit gleicher Frequenz (
oder f1 = f2 = f), gleichem Nullphasenwinkel,
aber unterschiedlicher Amplitude.
Die Amplitude der resultierenden Schwingung ist gleich der Summe der Amplitude der Teilschwingungen.
(2)
Zwei harmonische Schwingungen mit gleicher Frequenz (
), gleicher Amplitude, aber unterschiedlichem Nullphasenwinkel
(
).
Für die resultierende Elongation yr gilt:
![]()
Unter
Verwendung der Formel
ergibt
sich:
![]()
![]()
Die Differenz wird auch Phasendifferen genannt. Man kann daher auch schreiben:
![]()
Die
resultierende Schwingung hat folgende Eigenschaften:
1. Ihre
Frequenz stimmt mit derjenigen der Teilschwingungen überein.
2.
Ihr Nullphasenwinkel ist gleich dem arithmetischen Mittel des
Nullphasenwinkels der Partialschwingungen.
3.
Für die Amplitude der resultierenden Schwingung gilt:
![]()
Da die Zeit t in diesem Term nicht auftaucht, ist die resultierende Amplitude konstant und hängt in ihrer Größe von den Ausgangsamplituden und der Phasendifferenz ab.
Für
2
,
4
,
6
usw. wird
![]()
Das bedeutet: Die resultierende Amplitude ist am größten und zwar gleich der Summe der Amplituden der Teilschwingungen.
Für
,
3
,
5
,
7
usw.
wird
![]()
Das bedeutet: Die resultierende Amplitude ist gleich null; die beiden Teilschwingungen löschen sich gegenseitig aus.
(3)
Zwei harmonische Schwingungen mit gleicher Frequenz (
),
unterschiedlicher Amplitude und unterschiedlichem Nullphasenwinkel
(
).
[graphische Darstellung]
Obwohl sich die Überlagerung dieser Teilschwingungen graphisch leicht darstellen lässt, ist die mathematische Herleitung der Funktionsgleichung der resultierenden Schwingung recht kompliziert und übersteigt die Möglichkeiten dieser Veranstaltung.
4.2. Überlagerung zweier harmonischer Schwingungen mit verschiedenen Frequenzen
Die resultierende Schwingung von zwei gleichgerichteten Schwingungen unterschiedlicher Frequenz besitzen oftmals einen recht verwickelten Verlauf, der sich zwar graphisch leicht, mathematisch jedoch nur schwer darstellen lässt. Eine Änderung der Phasendifferenz der beiden Teilschwingungen erzeugt u.U. erhebliche Veränderungen des Verlaufs der resultierenden Schwingung (vgl. graphisches Beispiel).
(1) Die beiden Teilfrequenzen stehen in einem ganzzahligen Verhältnis zueinander
Bei
gleichem Nullphasenwinkel entstehen charakteristische
Schwingungsformen:
- Bsp. Sägeszahnschwingung durch die
Addition von Schwingungen, deren Frequenzen in ungeradzahligem
Verhältnis zueinander stehen.
Tatsächlich schwingen die
in der Musik verwendeten Oszillatoren gleichzeitig in mehreren
Schwingungen, den sog. Eigenschwingungen oder Schwingungsmoden.
Wichtig sind Schwingungsmoden, deren Frequenz ganzzahlige Vielfache
einer Grundfrequenz sind: die sog. harmonischen Obertöne.
Bsp.
Erzeugung der Obertöne auf einer tiefen Klaviersaite durch
Anschlagen höherer Tasten.
(2) Schwebungen: Die beiden Teilschwingungen besitzen leicht unterschiedliche Frequenzen
Überlagern
sich zwei harmonische Schwingungen, deren Frequenzen f1
und f2 sich leicht unterscheiden, so entsteht eine
resultierende Schwingung, deren Amplitude allerdings keinen festen
Wert hat, sondern periodisch zwischen einem Minimalwert und einem
Maximalwert schwankt; besitzen beide Frequenzen die selben
Nullphasenwinkel und die selbe Amplitude, so ist der Minimalwert
gleich Null.
Dieser Vorgang heißt Schwebung; die
Frequenz der Amplitudenschwankung fs wird als
Schwebungsfrequenz bezeichnet, ihre Dauer als Schwebungsdauer
Ts.
Um
näheres über das Phänomen der Schwebung zu erfahren,
leiten wir eine Schwebung mathematisch her. Dabei gehen wir der
Einfachheit halber davon aus, dass die Amplituden gleich und
Nullphasenwinkel der beiden Frequenzen jeweils gleich Null sind: A1
= A2
Die Schwingungsgleichungen der beiden
Ausgangsschwingungen lauten dann:
und
![]()
Für die Elongation der resultierenden Schwingung gilt:
Unter
Verwendung der Formel
ergibt
sich:
![]()
Da
gilt
,
folgt hieraus:
![]()
Schlussfolgerungen
für die Eigenschaften einer Schwebung:
Die resultierende
Schwingung ist eine harmonische Schwingung. Ihre Frequenz ist das
arithmetisches Mittel der beiden Teilfrequenzen.
![]()
Die Amplitude der resultierenden Schwingung ist:
Da diese Gleichung die Zeit t erhält, schwankt die resultierende Amplitude in Form einer harmonischen Schwingung zwischen Null und 2 A. Die Frequenz der Schwingungsschwankung (Schwebungsfrequenz fs) ist eigentlich, wie aus der Gleichung ersichtlich, die Hälfte der Differenz der beiden Teilschwingungen. (Die Cosinus-Funktion entspricht der Sinus-Funktion um eine Phase von 90° verschoben!) Für die Wahrnehmung zählt jedoch die doppelte Frequenz entscheidend und wird als Schwebungsfrequenz, was aus der Graphik (vgl. Hüllkurve) leicht zu ersehen ist.
5.
Zerlegung von periodischen Schwingungen (Fourier-Transformation)
Überlagern einander mehrere einfache harmonische Schwingungen, deren Frequenzen in ganzzahligem Verhältnis zueinander stehen, so entsteht eine komplexe harmonische Schwingung, die je nach Phasenlage der verschiedenen Teilschwingungen ganz unterschiedlich aussehen kann.
Überlagert
man Teilschwingungen, die alle denselben Nullphasenwinkel
haben, so entstehen charakteristische Schwingungsformen, z.B.
eine Sägezahnschwingung. Eine Sägezahnschwingung lässt
sich relativ einfach mit elektronischen Mitteln synthetisieren.
Vgl. Abbildung 4.12. aus Roederer.
Der
Klang der resultierenden komplexen Schwingung lässt sich auch in
Form eines sog. Leistungsspektrums, eines sog. Spektrums
darstellen. Dabei wird auf die x-Achse die Frequenz der
Teilschwingungen (absolut oder logarithmisch) aufgetragen, auf der
y-Achse deren relative Intensität (d.h. die Intensitätsanteile
der Teilschwingungen am Gesamtklang).
NB: Die Schallintensität
ist die Schallenergie, die in einer Sekunde durch eine Fläche
von 1 cm2 (in Ausbreitungsrichtung) hindurchtritt (s.
unten, Schallfeldgrößen).
Bsp. eines Spektrums abgeleitet aus Abb. 4.12.
Jedoch lassen sich nur stationäre, d.h. zeitlich unveränderte Klänge in ein diskretes Spektrum auflösen, bei dem nur einzelne Frequenzen Intensitätswerte aufweisen.
Wie
lässt sich nun aber eine gegebene komplexe harmonische
Schwingung, deren Zustandekommen und damit deren Zusammensetzung
unbekannt ist, physikalisch charakterisieren? Gibt es einen Weg, die
Amplitude der jeweiligen Teilschwingungen eines komplexen
periodischen Klanges zu ermitteln?. Man müsste versuchen, drei
Eigenschaften der komplexen Schwingung zu bestimmen:
- die
Frequenzen ihrer Teilschwingungen;
- die Amplituden der einzelnen
Teilschwingungen, die für die Intensität und
Lautheitsempfindung der Teilschwingungen entscheidend sind
-
sowie den jeweiligen Nullphasenwinkel (Phase) der Teilschwingungen.
Eine Möglichkeit der Spektralanalyse periodischer Schwingungen geht auf den Mathematiker und Physiker Jean Baptiste Joseph Fourier (1768-1830) zurück. Fourier entwickelte folgende mathematische Reihe, die Fourier-Reihe, die sich folgendermaßen darstellen lässt:
(Eine
zweite Möglichkeit der Darstellung der Fourier-Reihe bezieht den
jeweiligen Nullphasenwinkel
mit ein. Eine dritte Darstellungsmöglichkeit verwendet
komplexe Zahlen.)
Die Bedeutung dieser Reihe für die Akustik stützt sich nun auf den Umstand, dass sich jede einfache harmonische Schwingung als die Addition einer Sinus-Schwingung und einer Cosinus-Schwingung derselben Frequenz darstellen lässt (vgl. graphische Darstellung).
Die
resultierende Schwingung ist wiederum eine Sinus-Schwingung, die
gegenüber der ursprünglichen Sinusschwingung um die Phase
von 45° oder
verschoben
ist und eine um den Faktor 1,41 größere Amplitude besitzt.
Man kann jedoch die Amplituden der Ausgangsschwingungen entsprechend
kleiner wählen, sodass die resultierende Amplitude 1 ist. Der
Nullphasenwinkel
dieser
Schwingung wird von dem Verhältnis der beiden Koeffizienten A
und B bestimmt.
(In unserem Beispiel mit A=B wäre das 45°, da
Jeder
Summand der Fourierreihe
entspricht
einer Sinusschwingung mit frei definierbarer Nullphase, der jedoch
abhängig von den Amplitudenwerten Ak und Bk
ist.
Das
sog. Fourier-Theorem besagt nun, dass diese Reihe jede beliebige
periodische Schwingungsformdarstellen kann. [Periodizität
bedeutet, es gilt f (t) = f (t + 2
)]
Da die Kreisfrequenz ausschließlich mit
ganzzahligen Faktoren n multipliziert wird, müssen die
Teilschwingungen harmonische Schwingungen sein. D.h. die
Fourier-Frequenzen sind ganzzahlige Vielfache der Grundfrequenz. (Sie
kann u.U. auch sehr tief sein und außerhalb des menschlichen
Hörbereichs liegen.)
Die Koeffizienten An und Bn
heißen Fourier-Koeffizienten; sie sind die einzigen Unbekannten
in der Funktion. Sie bestimmen die Phase und die Amplitude der
Schwingung jedes Teilterms. Diese Koeffizienten zu bestimmen, ist das
Ziel der Fourier-Analyse.
Fourier gelang es, die Koeffizienten durch Integrale zu bestimmen. Es gilt:
und

Für
den Fall
gilt z.B.:
und
Die Werte A und B entsprechen also der Fläche unter einer Kurve, die wiederum von der Funktion f(x) multipliziert mit einer Kosinus- bzw. Sinusfunktion gebildet wird.
(Mit Hilfe der komplexen Zahl i und der Eulerschen Zahl e lassen sich die beiden Gleichungen zu einer Gleichung zusammen fassen:
(Das Fourier-Theorem lässt sich auch auf Schallereignisse anwenden, die nicht periodisch sind - und zwar unter der Annahme einer unendlich langen Periode. Die Fourier-Reihe geht dann in ein Integral über.)
Die Fourier-Transformation liegt der Spektralanalyse in der digitalen Klangverarbeitung, wie sie inzwischen auch in einer Reihe von Audio-Software integriert ist, zugrunde. Mit Hilfe der Fourier-Transformation lassen sich Spektralanalysen digitalisierter Audio-Signale durchführen, mit denen die Sinusbestandteile (einfache harmonische Schwingungen) zusammengesetzter Schwingungen bestimmt werden können.
6. Gedämpfte Schwingungen
Theoretisch kommt eine mechanische Schwingung niemals zur Ruhe; potentielle Energie und kinetische Energie wandeln sich unaufhörlich ineinander um. In der Praxis nimmt bei mechanischen Schwingungen jedoch die Amplitude allmählich ab und der Körper kommt zur Ruhe. Die kinetische Energie wandelt sich dabei durch Reibung in Wärme- oder aber in Schallenergie um, die jeweils in den Raum abgestrahlt werden. Man spricht von einer gedämpften Schwingung. Die Dämpfung einer Schwingung ist umso größer, je mehr Energie pro Zeiteinheit an den Raum (oder an einen Resonator) abgegeben wird.
Die Amplitudenabnahme einer Schwingung kann verschiedene Formen annehmen. Die wichtigste Form ist die exponentielle Dämpfung. Dabei verringert sich die Amplitude in einem bestimmten Zeitraum jeweils um die Hälfte. Die Schnelligkeit bzw. Stärke der Dämpfung kann durch die Dauer dieser sog. Abkling-Halbzeit angegeben werden, deren Wert während des gesamten Abklingvorgangs konstant bleibt.
(vgl. Abb. 4.8 bei Roederer)
Viele Musikinstrumente haben eine charakteristische Abkling-Halbzeit, z.B. Klavier 0,4 sec. Es muss jedoch berücksichtigt werden, dass bei einem komplexen Klang die verschiedenen Teilschwingungen unterschiedlich schnell abklingen. D.h. die Klangfarbe ändert sich während des Abklingens auf eine charakteristische Weise.
Eine weitere Form der Dämpfung ist die Abnahme in Form einer geometrischen Reihe, wobei der Quotient zweier aufeinander folgender Amplituden gleich ist:
![]()
Die Konstante k ist ein Maß für die Stärke der Dämpfung und heißt Dämpfungsverhältnis. Je Größer k, umso rascher klingt die Schwingung ab.
7. Erzwungene Schwingungen / Resonanz
Das Klangspektrum einer schwingenden Gitarrentones weicht mitunter stark von dem Spektrum einer klingenden Saite (ohne Instrumentenkorpus) ab. Dies liegt daran, dass der Gitarrenkorpus Klänge frequenzabhängig verstärkt oder dämpft.
Auch
der Korpus ist ein schwingungsfähiges System., das sich aus
kompliziert schwingenden Platten zusammensetzt; außerdem
schwingt die Luft innerhalb des Korpus.
Führt man einem
schwingungsfähigen Gebilde einmalig Energie zu - z.B. einem
Federpendel durch einen einmaligen Anstoß - so vollführt
es eine Schwingung von einer ganz bestimmten Frequenz, die abhängig
von der Rückstellkraft und der schwingenden Masse ist. Die
Schwingung heißt Eigenschwingung des Systems, die
Frequenz heißt Eigenfrequenz fe.
Im Falle des
schwingenden Instrumentenkorpus wird das schwingungsfähige
Gebilde jedoch durch eine periodisch wirksame Kraft, den periodischen
Schwingungen Saite, in Schwingung versetzt. Diese äußere
Kraft heißt Anregung, ihre Frequenz Anregungsfrequenz fa.
Das durch eine äußere Kraft angeregte System heißt
Resonator, dessen Schwingung erzwungene Schwingung. Die
Gitarrensaite „erzwingt“ vermittels der minimalen
Schwingung des Steges eine Schwingung des Korpus.
Resonanz nennt man die Schwingung eines Resonators, die dann entsteht, wenn die Frequenz einer anregenden Kraft relativ gut mit einer Eigenschwingung des Systems übereinstimmt, auf das die Kraft einwirkt. Eine Frequenz, bei der die Energieumsetzung besonders effektiv ist, nennt man Resonanzfrequenz des Resonators.
Das Resonanzphänomen lässt sich gut mit dem Beispiel eines schaukelnden Kindes veranschaulichen, das mit einer bestimmten Frequenz leicht angestoßen wird. Ist die Frequenz des „Anschubsens“ gut gewählt, d.h. entspricht sie der Frequenz der Schaukelbewegung - führt ein relativ geringer Kraftaufwand zum größtmöglichen Ergebnis.
Im
Alltag lassen sich eine Reihe von Resonanzerscheinungen beobachten:
- Eine Vase auf dem Klavier beginnt nur bei einer bestimmten
Klaviertaste zu klirren: Die Saite trifft die Eigenfrequenz der Vase.
- Anekdoten erzählen von Sängern, die durch ihren
Gesang Gläser zum Zerspringen brachten.
- Autokarosserien
dröhnen bei einer bestimmen Motordrehzahl ganz besonders.
-
Einsturz von Brücken oder Häusern durch regelmäßiges
Marschieren.
In all diesen Fällen wird durch die erregende
Kraft eine bestimmte Eigenfrequenz des resonierenden Systems
getroffen, wodurch große Effekte hervorgerufen werden.
Das Verhältnis von Anregungsfrequenz und resultierender Frequenz lässt sich in einem Schaubild als sog. Resonanzkurve darstellen. Hier wird die Intensität I verschiedener Resonanzfrequenzen R dargestellt, wobei zumeist die Intensität als Verhältnis zu einem Bezugssignal Iref dargestellt wird (in dB).

Der
kompliziert gebaute Korpus einer Geige, einer Gitarre oder der
Resonanzboden eines Klaviers hat viele bevorzugte
Eigenschwingungsfrequenzen; teilweise überlappen sich diese
Eigenschwingungsordnungen. Entscheidend ist, dass bei vielen
Musikinstrumenten die Resonanzkurve frequenzabhängig ist. D.h.
unterschiedliche Frequenzen des anregenden Oszillators (z.B. einer
Saite) erzwingen unterschiedlich starke Schwingungen beim Resonator.
Beim Geigenboden unterscheidet man z.B. folgende typischen
Eigenschwingungsordnungen: Klopfton, Resonanz der Luft (ca. 280-300
Hz), Hauptresonanz des Holzes (ca. 500 Hz). vgl. Roederer Abb.
4.15.
Roederer
Abb. 4.16.: Resonanzverhalten einer hypothetischen gezupften
Saite und eines hypothetischen Resonanzbodens:
Die Resonanzkurve
gibt an, bei welchen Frequenzen der Resonator dem primären
Schwingungssystem (Saite) Energie pro Zeit (Leistung) entzieht. Im
Beispiel wird der fünften Teilschwingung verhältnismäßig
viel Energie entzogen. Dies hat zur Folge, dass dieser Teilton
besonders schnell abklingen wird.
Das Resonanzspektrum (und damit
der Klang) verändert sich zeitabhängig, da den einzelnen
Partialtönen unterschiedlich schnell Energie entzogen wird.
NB:
Würde die Saite gestrichen, so wäre die Energieversorgung
auch jedes Teiltons gesichert und der Instrumentalklang relativ
konstant.
Einen breiten Resonanzbereich, der Teilschwingungen verstärkt, nennt man Formant. Musikinstrumente besitzen, ähnlich wie die verschiedenen Vokale der menschlichen Sprache, charakteristische Formanten.
[Das Verhältnis von Anregungsfrequenz fa zur Eigenfrequenz fe hat großen Einfluss auf die Phase der erzwungenen Schwingung des Resonatorsystems. Bei fa < fe stimmen die Phasen von Erreger- und erzwungener Stimmung überein. Die Phase springt jedoch um einen Winkel von 180° sobald die Eigenfrequenz des Resonators erreicht ist und fa > fe wird.]
8. Selbststeuernde Schwingungen
Um
eine möglichst ungedämpfte Schwingung eines Oszillators zu
ermöglichen, muss dem System ständig neue Energie zugeführt
werden. Die Energiezufuhr hat eine optimale Wirkung, wenn sie
periodisch mit der Eigenfrequenz der Schallquelle erfolgt. Dies wird
dann erreicht, wenn das schwingende System selbst die Steuerung über
die Energiezufuhr übernimmt.
Dabei kann die Frequenz der
Energiezufuhr entweder hauptsächlich vom Energieversorger (Bsp.:
Geigenbogen) oder aber, wie bei den meisten Blasinstrumenten,
hauptsächlich vom Resonator, in diesem Falle der Luftsäule,
bestimmt werden.
Ein stabiler Schwingungszustand stellt sich
immer dann ein, wenn möglichst viele Eigenfrequenzen des
Resonators mit Frequenzen des anregenden Systems übereinstimmen.
Beispiel
Blasinstrumente:
1. Der komplexe Anregungsmechanismus erzeugt
eine komplexe periodische Schwingung, die sog. primäre
Schwingung, mit einer bestimmten Grundfrequenz und einem bestimmten
Spektrum, die vom mechanischen Verhalten z.B. des
Klarinettenblättchens abhängt.
2. Die Grundfrequenz
dieser primären Schwingung wird von den Resonanzeigenschaften
der schwingenden Luftsäule bestimmt. Generell gilt: Das
schwingende System, das weniger gedämpft ist (bei
Blasinstrumenten ist das die Luftsäule) bestimmt die
Schwingungsfrequenz. Nur die Größe der
Schwingungsamplitude hängt direkt von der gesamten Energiezufuhr
ab.
(Ein weiterer Faktor für den abgestrahlten Schall ist
die Form und Verteilung der Fingerlöcher sowie die Form und
Verteilung des Bechers.)
Bei Blasinstrumenten führt der
kontinuierliche Luftstrom aus den Lungen der Bläser (oder des
Blasebalgs) dem schwingenden System (Luftsäule) kontinuierlich
Energie zu. Eine Art Ventilmechanismus steuert die Luftzufuhr
dergestalt, dass sie periodisch zum günstigen Zeitpunkt der
Luftsäulenschwingung erfolgt.
Eine Resonanzkurve erhält man, wenn man bei konstanter Amplitude der primären Schwingung (Anblasmechanismus) die verschiedenen Druckschwankungsamplituden der Luftsäule abhängig von der Frequenz aufträgt. Die entsprechende Resonanzkurven werden auch Eingangsimpedanz-Diagramme genannt. Sie wurden in der akustischen Forschung weitgehend experimentell ermittelt.
Roederer
Abb. 4.24a und b:
- typische Reonanzkurven für
zylindrische Luftsäulen (z.B. Klarinette) und kegelförmige
Luftsäulen (z.B. Oboe).
- die Resonanzspitzen bei den
zylindrischen Röhren liegen nur bei ungeraden ganzzahligen
Vielfachen der Grundfrequenz.
- beim Kegelstumpf sind die
Resonanzspitzen asymmetrisch und anharmonisch.
(Vgl. Roederer S. 164f.)
9. Schwingende Systeme (Oszillatoren) als Schallquellen:
Schallquellen sind alle Körper (fest, flüssig oder gasförmig), die fähig sind, mechanische Schwingungen im hörbaren Frequenzbereich auszuführen. Ihre Schwingungen werden dann durch die Luft als Schallwellen (s. unten) zum Ohr weitergeleitet. Im Folgenden soll nur ein erster Überblick über die verschiedenen Typen Schallquellen, wie sie im musikalischen Bereich in Gebrauch sind, gegeben werden. Details folgen in den Referaten zur Instrumentenakustik.
9.1. Schwingende Saiten
Saiten
müssen an beiden Enden fest eingespannt sein, um Schwingungen
vollführen zu können. Die Schwingungen von Saiten setzen
sich aus einer Reihe von harmonischen Einzelschwingungen
(Schwingungsmoden) zusammen, die ganzzahlige Vielfache der
Grundfrequenz sind.
[Bsp. Klavier: tiefe Taste still gedrückt,
die Saite schwingt mit ihren Teiltonfrequenzen]
Die Grundfrequenz
lässt sich aus der Saitenlänge, der Saitenspannung und dem
Saitendurchmesser ermitteln.
Bei
den Schwingungsmoden mit höherer Frequenz gibt es Punkte, bei
denen die Saite in Ruhelage ist, die sog. Schwingungsknoten, und
Punkte mit maximaler Auslenkung (Schwingungsbäuche).
Die
Schwingungen von Saiten sind allerdings so schwach, dass sie auf
Platten (bzw. Kästen) übertragen werden müssen, um
hörbaren Schall in die Luft abstrahlen zu können. Dies
geschieht z.B. bei Gitarren oder Geigen, indem das befestigte Ende
der Saite (der Steg) leicht mit schwingt; diese Schwingung wird dann
auf den Resonanzkörper übertragen. Obwohl die Auslenkung
der Endpunkte nur sehr klein ist, sind die wirkenden Kräfte
wegen der hohen Spannung der Saite sehr groß, sodass das
Produkt aus Kraft mal Weg (Auslenkung) - also die Energie - sehr groß
sein kann. Allerdings steigt durch diese Energieübertragung der
Dämpfungsgrad der Saite, d.h. die Schwingung nimmt viel
schneller ab.
Es gibt Saiteninstrumente, die nur eine einmalige
Energiezufuhr durch einen Impuls erhalten: Klavier - Schlag mit dem
Hammer - oder Gitarre (Zupfen). Und es gibt Saiteninstrumente, die
eine stetige Energiezufuhr erhalten: Streichinstrumente, wobei die
schwingende Saite selbst die periodische Energiezufuhr steuert.
Die
Art des Impulses und dessen Ort auf der Saite bestimmt die Klangfarbe
der schwingenden Saite. Deren Klang wird durch die Eigenschaften des
Resonators weiter modifiziert (vgl. oben).
9.2. Schwingende Membrane
Wie
Saiten besitzen Membrane keine Eigenelastizität und müssen
deshalb an ihren Rändern fest eingespannt werden. Sie sind also
das zweidimensionale Gegenstück zu den eindimensionalen Saiten.
Membrane können entweder kreisförmig auf und ab oder
aber entlang dem Kreisdurchmesser schwingen. Man nennt die Linien, an
denen die Membran bei einer bestimmten Schwingungsmode in Ruhelage
bleibt, Schwingungsknotenlinien; es gibt Knotenkreise und
Knotendurchmesser. Durch die Kombination von Knotenkreisen und
Knotendurchmessern entstehen eine Reihe von Schwingungsmoden, die
jeweils durch zwei Zahlen - die Anzahl von Knotendurchmesser (1.
Zahl) und der Knotenkreise (2. Zahl) - gekennzeichnet werden.
(Bild
9.18 bei Hall, S. 181)
Die Frequenzen der Schwingungsmoden stehen
allerdings in keinem harmonischen Verhältnis zueinander.
Membrane besitzen ein anharmonisches Obertonspektrum. Dies kann
jedoch durch den Bau des Resonanzkörpers verändert werden.
- Beispiel Pauke.
9.3. Schwingende Stäbe und Platten
Holz-
und Metallplatten mit zwei freien Enden schwingen einerseits entlang
der Längsachse auf und nieder (Transversalschwingungen),
andererseits verdreht sich der Körper entlang der Längsachse
(Torsionsschwingungen). Ihre Schwingungsmoden stehen in einem
unharmonischen Verhältnis zueinander.
Schwingende Stäben
sind das eindimensionale Gegenstück zu den schwingenden Platten.
Beim
Xylophon werden die Holzstäbe an der Unterseite ausgehöhlt,
was die Frequenzen der transversalen Schwingungsmoden vertieft und
eine harmonische Abstimmung der Partialtöne ermöglicht.
Resonatoren aus Holz oder Metall erhöhen die Lautstärke,
beschleunigen jedoch den Dämpfungsvorgang.
Das
Schwingungsverhalten von Zimbeln und Glocken ähnelt dem
Schwingungsverhalten kreisförmiger, in der Mitte befestigter
Metallplatten. Ähnlich wie bei den schwingenden Membranen
schwingen die Platten mit zwei Arten von Knotenlinien:
Knotendurchmesser und Knotenkreislinien.
Bei Glocken können
allerdings die Knotenkreislinien unterschiedlich liegen und zu
unterschiedlichen Frequenzen führen (die Kennziffer der höheren
Mode wird dann mit einem Kreuz versehen). Die Moden einer Glocke
lassen sich durch Ausdünnen des Metalls an geeigneten Stellen
verändern. Auf diese Weise werden Glocken gestimmt.
9.4.
Schwingende Luftsäulen als Schallquellen
Bei
schwingenden Luftsäulen wird die in einem Behälter
eingeschlossene Luft zu Eigenschwingungen erregt. Man unterscheidet
Luftsäulen, die
- beidseitig offen sind (offene Pfeife);
-
an einem Ende offen sind (gedackte Pfeife);
- an beiden Enden
geschlossen sind.
Außerdem kann man zwei grundlegende
Formen von Luftsäulen (konisch, zylindrisch u.a.) sowie kubische
Pfeifen (die in der Realität auch kugelförmig sein können,
z.B. Helmholtzresonatoren) unterscheiden.
Bei Luftsäulen schwingen die Luftteilchen um die Ruhelage. Es dadurch entstehen periodische Luftdruckschwankungen die als Schall an die Umgebung weitergegeben werden.
Man
kann zwei grundsätzlich verschieden Formen der Anregung der
Luftsäule unterschieden:
- Ein kontinuierlicher Luftstrom
trifft auf eine Schneide. Hier entstehen Luftwirbel mit regelmäßigen
Druckschwankungen, durch die die Luftsäule in periodische
Schwingungen erregt wird.
- Bei Zungenpfeifen werden dagegen
elastische Blättchen (Membrane) zum Schwingen erregt.